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KI in der Erwachsenenbildung: Warum Trainer wertvoller werden, nicht überflüssig

Aus dem Archiv: Dieser Beitrag ist vor über einem halben Jahr erschienen. Manche Zahlen und Produktnamen haben sich seither geändert.

Links eine Karte mit schnellem Rotstift-Haken, rechts ein Notizbuch voller Skizzen und DurchgestrichenemMit KI erstellt (gpt-image-2.5-sunburst, 10/2026)

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut WEF "Future of Jobs Report 2025" werden bis 2030 rund 39% der heute genutzten Skills obsolet oder stark verändert
  • WIFI-Weiterbildungsbarometer 2025: 85% der Unternehmer halten Weiterbildung für wichtig, 68% der Erwerbstätigen erwarten KI-Einsatz im Unternehmen
  • Mit 65% bleibt KI das Top-Thema der Weiterbildung in Österreich, gefolgt von IT-Skills (53%)
  • Der Shift für Trainer: Vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter – denn Wissen hat jetzt jeder in der Tasche
  • Die Kernfrage ist nicht "Ersetzt KI Trainer?" sondern "Welche Trainer werden ersetzt?"

"Wozu brauche ich noch einen Kurs, wenn ich ChatGPT fragen kann?"

Diese Frage höre ich von Teilnehmern. Ich höre sie von Unternehmen. Und ich verstehe sie – nach zehn Jahren als Lehrer und jetzt als Dozent bei VHS und WIFI.

Die ehrliche Antwort: Für reine Wissensvermittlung brauchen Sie vielleicht wirklich keinen Kurs mehr. Aber Wissensvermittlung war nie der eigentliche Wert guter Weiterbildung.


Was sich wirklich ändert

Der "Future of Jobs Report 2025" des Weltwirtschaftsforums prognostiziert, dass bis 2030 rund 39 Prozent der heute genutzten Fähigkeiten obsolet oder stark verändert sein werden.

Das betrifft nicht nur die Inhalte, die wir lehren. Es betrifft die Art, wie wir lehren.

Früher war der Trainer derjenige, der etwas wusste, was die Teilnehmer nicht wussten. Heute hat jeder Teilnehmer Zugang zu mehr Wissen, als ein Mensch jemals haben könnte – in seiner Tasche.

Die Frage ist nicht mehr: "Was weiß der Trainer?"

Die Frage ist: "Was kann der Trainer, was ChatGPT nicht kann?"


Was die meisten übersehen: Die Rolle des Trainers verändert sich fundamental

Laut dem WIFI-Weiterbildungsbarometer 2024 halten 85% der österreichischen Unternehmer Weiterbildung für wichtig oder sehr wichtig. Und 22% planen trotz Kostendruck, mehr in Weiterbildung zu investieren.

Aber hier ist die Diskrepanz: Während 71% der Unternehmer Nachhaltigkeit als wichtiges Weiterbildungsthema sehen, trifft das bei KI nur auf 52% zu.

Das bedeutet: Die konkreten Anwendungsfälle von KI werden noch zu wenig gesehen. Und genau hier liegt die Chance für Trainer.

Der alte Trainer:

  • Hat Wissen
  • Vermittelt Wissen
  • Prüft Wissen

Der neue Trainer:

  • Hat Erfahrung in der Anwendung
  • Begleitet beim Lernen
  • Hilft bei der Einordnung

Der Unterschied? KI kann Wissen liefern. KI kann nicht sagen: "In der Praxis funktioniert das anders, weil..."


Konkrete Zahlen aus Österreich

Das WIFI-Weiterbildungsbarometer 2025 zeigt interessante Entwicklungen:

KennzahlWertBedeutung
Unternehmer, die Weiterbildung für wichtig halten85%Stabil seit 2020
Unternehmen, die mehr investieren wollen25%Steigend trotz Krise
Erwerbstätige, die KI-Einsatz erwarten68%Höher als Unternehmer!
KI als Top-Weiterbildungsthema65%Platz 1

Besonders spannend: 68% der Erwerbstätigen erwarten, dass KI in ihrem Unternehmen wichtig wird – aber nur 52% der Unternehmer sehen das ähnlich.

Das zeigt: Die Mitarbeiter sind oft weiter als ihre Chefs. Und genau hier können Trainer vermitteln.


Wie WIFI und VHS reagieren

Die österreichischen Bildungseinrichtungen haben reagiert. Laut WKO wurde das WIFI-Angebot 2024 im Bereich KI deutlich erweitert:

Die WIFI KI-Akademie bietet:

  • KI-Führerschein (Grundlagen für alle)
  • Ausbildung zum zertifizierten KI-Beauftragten
  • CAIO-Zertifizierung (Chief AI Officer)
  • Über 50 KI-Kurse und Seminare österreichweit

Beim Tag der Weiterbildung 2024 in der Steiermark demonstrierte WIFI-Trainer Lothar Lackner live mehrere didaktische Einsatzmöglichkeiten:

  • Prompt-Aufgaben zum Training von logischem Denken
  • Rollenspiele mit ChatGPT auf Basis von Megaprompts
  • Chat mit Ressourcensammlungen über Google NotebookLM
  • KI-Bilderkennung von Flipchart-Fotos

Das Motto der Veranstaltung? "Fürchtet euch nicht, so kompliziert ist es gar nicht."


Die drei Trainer-Typen der Zukunft

Aus meiner Erfahrung als KI-Trainer bei WIFI Burgenland und VHS Steiermark sehe ich drei Entwicklungspfade:

Typ 1: Der KI-Skeptiker (wird ersetzt)

Dieser Trainer ignoriert KI oder lehnt sie ab. Er beharrt auf "So haben wir das immer gemacht".

Problem: Seine Teilnehmer nutzen KI längst privat. Sie merken, wenn der Trainer hinterherhinkt.

Prognose: Diese Trainer werden von KI-Tools ersetzt – nicht weil KI besser ist, sondern weil sie den Anschluss verloren haben.

Typ 2: Der KI-Nutzer (bleibt relevant)

Dieser Trainer nutzt KI für seine Vorbereitung: Trainingsplanung, Icebreaker, Lernerfolgskontrollen. Er spart Zeit und ist besser vorbereitet.

Vorteil: Mehr Zeit für das, was Trainer wirklich gut können – den direkten Kontakt mit Teilnehmern.

Prognose: Bleibt relevant, hat aber keinen Wettbewerbsvorteil.

Typ 3: Der KI-Integrator (wird wertvoller)

Dieser Trainer lehrt MIT KI. Er zeigt Teilnehmern, wie sie KI in ihrem Arbeitsalltag einsetzen. Er beantwortet die Frage: "Wie nutze ich das konkret in meiner Situation?"

Vorteil: Einzigartiger Wert, den kein YouTube-Video und kein Chatbot liefern kann.

Prognose: Wird wertvoller, weil die Nachfrage steigt.


Was KI in der Erwachsenenbildung kann – und was nicht

Laut VHS Baden bietet KI in der Erwachsenenbildung mehrere Chancen:

KI kannKI kann nicht
Lerninhalte personalisierenMotivation aufbauen
Schwächen analysierenPersönliche Erfahrungen teilen
Administrative Aufgaben entlastenGruppendynamik steuern
Übungen anpassen"Warum" erklären
Tests korrigierenKontext einordnen

Die entscheidende Erkenntnis: KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz.

Ein Hammer ersetzt keinen Tischler. Er macht ihn produktiver. Genauso mit KI und Trainern.


Die ehrliche Frage: Braucht es noch Präsenzkurse?

Die Weiterbildungsstudie 2024 zeigt: Unternehmen setzen verstärkt auf Präsenztrainings für sozialen Austausch und direkte Rückmeldungen.

88% der Weiterbildungsteilnehmer sind mit dem gewählten Format zufrieden.

Aber hier ist die Nuance: Es geht nicht um "Präsenz vs. Online" oder "Trainer vs. KI". Es geht um die richtige Kombination.

Für reine Wissensvermittlung:

  • Online-Kurse, Videos, KI-Chats sind oft effizienter
  • Selbstgesteuert, im eigenen Tempo
  • Günstiger und flexibler

Für Anwendung und Einordnung:

  • Präsenz mit erfahrenem Trainer ist unersetzlich
  • Fragen stellen, die man sich selbst nicht stellen würde
  • Vom Erfahrungsschatz anderer Teilnehmer profitieren
  • Fehler in sicherer Umgebung machen

Die Zukunft gehört dem Blended Learning: Online für Wissen, Präsenz für Anwendung.


Meine persönliche Erfahrung als KI-Trainer

Nach zehn Jahren als Mathematik- und Physiklehrer und jetzt als KI-Dozent sehe ich den Unterschied täglich:

Was Teilnehmer von mir wollen:

  • Nicht: "Erkläre mir, was ein Prompt ist" (das kann ChatGPT selbst)
  • Sondern: "Zeig mir, wie ich das für meine Buchhaltung nutze"
  • Nicht: "Liste alle KI-Tools auf" (das kann jede Suchmaschine)
  • Sondern: "Welches Tool passt zu meinem Anwendungsfall?"

Der Wert liegt in der Übersetzung: Von der Theorie in die Praxis. Von der Möglichkeit zur Anwendung. Vom "Was kann KI?" zum "Was kann KI für MICH?".

Das kann keine KI – weil sie meinen Kontext nicht kennt. Meine Branche nicht kennt. Meine Teilnehmer nicht kennt.

Mein Ansatz: KI menschlich machen, Menschen KI-fähig.


Die eine Frage für Trainer

Wenn Ihre Teilnehmer morgen kostenlosen Zugang zu allen KI-Tools hätten – würden sie trotzdem in Ihren Kurs kommen?

Wenn die Antwort "Nein" ist, haben Sie ein Problem.

Wenn die Antwort "Ja, weil..." ist, haben Sie Ihren Wert gefunden.

Für mich ist die Antwort: Ja, weil ich zeige, wie man KI im österreichischen KMU-Kontext konkret einsetzt. Mit echten Beispielen. Mit ehrlicher Einschätzung, was funktioniert und was nicht.

Das ist kein Wissen. Das ist Erfahrung. Und Erfahrung lässt sich nicht googeln.


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Quellen


Armin Fradler begleitet Bildungsorganisationen und Teams beim Umgang mit KI und unterrichtet selbst in der Erwachsenenbildung.

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